Constantin Wortmann, der Designer von Cobra, beantwortet einige unserer Fragen über Design und seine neue Geschirrkollektion.
Wer sind Ihre Designvorbilder?
Eines meiner großen Designvorbilder ist der Beleuchtungsdesigner Ingo Maurer. Ich habe während meines Designstudiums in seinem Team gearbeitet. Von ihm lernte ich, dass „deutsches“ Design nicht unbedingt mit der Bauhaus-Tradition gleichzusetzen ist und dass es keine Grenzen zwischen Design und Kunst gibt.

Was sind Ihre wichtigsten Inspirationsquellen?
Es ist immer schwierig zu sagen, woher man seine Inspiration bezieht. Reisen, Lesen, ein Spaziergang in den Bergen ... Ich denke, am Wichtigsten ist es, die Augen (und den Geist!) offen zu halten. Um ehrlich zu sein: Der Großteil meiner Designs entwickelt sich in meinem Atelier, bei der Arbeit an laufenden Projekten – durch Skizzen und Modelle, Feilen an den Details und, was am Wichtigsten ist, durch das Gespräch über verschiedene Lösungen und Versionen.

Wodurch ist die Cobra Kollektion inspiriert? 
Der Ausgangspunkt für den Cobra Leuchter, dem ersten Design in der Kollektion, bestand darin, die Urform eines Leuchters zu finden: breiter Fuß, schmale Mitte und eine etwas weitere Formgebung für die Kerzenhalterung. Ich habe sie auf die verschiedensten Weisen deformiert, um die Metamorphose zu sehen. Bei einem dieser Morphing-Experimente bog sich das Modell in Wellenform. Das Ergebnis wirkte keinesfalls verzerrt, sondern sehr kraftvoll und elegant. Cobra war geboren. Bei allen Familienmitgliedern der Cobra Kollektion ist das wichtigste Ziel, diese Eleganz und harmonische Linienführung, in Verbindung mit einem kleinen Touch von Unerwartetem, fortzuführen. 

Wie hat sich die Geschirrkollektion entwickelt? 
Ich denke, sie war ein logischer Schritt in der kontinuierlichen „Cobra-Evolution“. Angefangen haben wir mit einem einzigen Kerzenhalter. Das nächste Design war ein Teelicht, dann kam eine Vase und anschließend haben wir mit der Arbeit an einer großen Fruchtschale begonnen. Es folgten kleine Schalen und Krüge aus Edelstahl, und damit hatten wir bereits einen „Fuß in der Tür“ für den Geschirrbereich. 

Was macht diese Geschirrkollektion so anders und einzigartig? 
Das Design der Teller und Schalen war eine Adaption der geschwungenen Formgebung der bereits vorhanden Cobra Schalen aus Edelstahl. Bei den Gläsern und Tassen war der Cobra Leuchter die Referenz – jedoch viel weniger stark ausgeprägt und lebhaft, da die Funktion für Objekte des Alltagsgebrauchs Vorrang hat. Das Geschirr sollte den besonderen Look, die Wellenform und die „Leichtigkeit“ der Cobra Familie erhalten und gleichzeitig hervorragend auf einem Esstisch einsetzbar sein. Es ist sehr ungewöhnlich, ein Trinkglas oder einen Becher ohne radiale Symmetrie zu entwerfen, und es war 
dabei besonders wichtig, die Form unaufgeregt und bescheiden zu gestalten, und keinesfalls aufdringlich. 

Wie war es, bei der Geschirrkollektion mit Porzellan anstelle von Edelstahl zu arbeiten? 
Das war schon immer eines meiner Lieblingsmaterialien. Ich mag das schimmernde Weiß und die sanfte Haptik von Porzellan, die halbindustrielle Fertigung, die Glasur, die verschiedenen Abläufe beim Brennen und die manuelle Oberflächenbehandlung. Und den Charme seiner Zerbrechlichkeit, im Vergleich zu Stahl. Porzellan passt in der Tat ausgesprochen gut zu dem Designkonzept von Cobra, weil es wärmer und runder als Stahl ist und keine scharfen Ecken oder Kanten bilden kann. Die Anpassung der Cobra Linienführung an das Porzellan war ein natürlicher Prozess. Ich finde, dass es einen schönen Kontrast zur Edelstahlkollektion bildet: die Präzision, Langlebigkeit und der Schimmer von Stahl im Vergleich zur Wärme und den sanften Rundungen von Porzellan.

Was möchten Sie dem Georg Jensen Universum durch Ihre Designs hinzufügen?
Ich verbinde in meinen Designs oftmals organische Formgebung mit wohlgeordneter Geometrie. Zum Beispiel bei dem neuen Porzellangeschirr: Auf den ersten Blick wirkt es sehr wild, kurvenreich, beinahe ein wenig chaotisch. Wenn man näher hinsieht, erkennt man die Geometrie des Entwurfs. Man sieht, dass alle Teller und Schalen die gleiche Grundform und die gleichen Kurven mit drei Höhen- und drei Tiefenpunkten haben. Nur die Größe und der Kurvengrad unterscheiden sich. Ich wünsche mir, dem Universum von Georg Jensen eine kleine Dosis an Unerwarteten hinzuzufügen. Ich nenne dies „poetische Verspieltheit“. Mein Design soll eine leicht emotionale Komponente haben, ohne dabei seine Eleganz zu verlieren.